Ouija

Spiel nicht mit dem Teufel (Horrorfilm)

von Stiles White (Regie), 2014

 

Inhalt und Umsetzung

Ouija soll ein Horrorfilm sein – dazu taugt er jedoch nicht. Mich munterte er aber immerhin dazu auf, fröhliches Filmzitateraten zu spielen.


Für diejenigen, die sich mit okkultem Firlefanz nicht sonderlich gut auskennen, sei gesagt, dass ein Ouija-Brett – auch Hexenbrett genannt – dazu geeignet sein soll, mit den Geistern Verstorbener Kontakt aufzunehmen. Nun ja, da ich davon überzeugt bin, dass nach dem Tod Schicht im Schacht ist (wie soll ein Bewusstsein weiterexistieren, wenn das passende Vehikel – sprich: Gehirn – nicht mehr da ist?), sehe ich Ouija-Bretter, Tarotkarten und ähnlichen Humbug als eine Möglichkeit an, mich unterhalten zu lassen. Denn – und ich werde nicht müde, es zu erwähnen – ich liebe Horrorgeschichten.

Zusammengesetzt ist das Wort übrigens aus dem französischen sowie deutschen „ja“. Streng genommen ist es also ein Jaja-Brett. Putzig.

Soviel also aus der Kategorie: „unnötiges Wissen“.


 

Die Story des Films ist schnell erzählt:

Zwei Freundinnen im Alter von ungefähr zehn spielen mit besagtem Brett, was dem Film die Gelegenheit gibt, drei wichtige Grundregeln zu offenbaren:

* spiel Ouija nicht alleine (wo bliebe denn dann auch der Spaß?)

* spiel Ouija nicht auf einem Friedhof (wozu auch?)

* verabschiede dich, wenn du fertig bist (ich finde ja auch, dass Höflichkeit groß geschrieben gehört)

Bevor es losgehen kann, muss das Brett übrigens im Kreis gedreht werden – ein Mal je Mitspieler.

Ach so, und wenn man durch die Linse der beigefügten Blanchette schaut, sieht man – so die Beschwörung erfolgreich war – die Verstorbenen (gruselig, gruselig).


Sollte man meinen; also das mit dem gruselig. Aber die erste halbe Stunde des nur 88minütigen Streifens passiert … nix.

Na ja. Schon. Also irgendwie. Eine der beiden Mädels vom Anfang erhängt sich mit einer Lichterkette (!!!) und das andere Mädel plagen daraufhin Schuldgefühle.

Wäre soweit auch in Ordnung, wenn die beiden Mädels nicht inzwischen Teens wären. Teenagerhorrorfilm, yeah! Da lob’ ich mir Final Destination – das sind zwar auch Teens, aber die gehen mir zumindest nicht von Beginn an auf das Nervenkostüm. Damit verbunden sind die üblichen Klischees. Erste Liebe; wohnen bei Mutti; kleine Schwester, die im Schlepptau hängt …

Ich habe ja den leisen Verdacht, dass meine Identifikationsmöglichkeiten limitiert sind. Ich wohne nicht mehr bei Mutti, die erste Liebe liegt Jahrzehnte zurück (japp, ich bin alt) und meine kleine Schwester ist ein kleiner Bruder.

 

Nachdem sich Mädel eins (namentlich Debbie) als Leuchtfeuer zum Trocknen aufgehängt hat, hat Mädel zwei (Laine) die glorreiche Idee das Ouija-Brett danach zu befragen, ob die Trockenhängerei denn nun auf Debbies eigenem Mist gewachsen ist oder *tusch* dunkle Mächte am Werk waren. Wie es sich für eine Teeniehorrorkomö … äh … ein Teeniehorrordrama gehört, braucht es Kanonenfutter. Eiligst ein paar Kumpels, nebst anhänglicher kleiner Schwester, zusammengetrommelt und ab in das Haus der toten Freundin getrabt. Das steht übrigens passenderweise grade leer, da die Ellies einen Ausflug machen und Laine gebeten haben, die Blumen zu gießen. Da erübrigt sich zumindest ein Einbruch, weil der Hausschlüssel ja vorhanden ist.

 

Man hätte es ahnen können, dass das Ouija-Brett als Hort allen Übels ein Eigenleben führt. Die Blanchette (das Ding, was man über das Brett schiebt) taucht hartnäckig von Beginn an immer wieder an den ungewöhnlichsten Orten auf. Das haben wir aber schon mal besser und weitaus gruseliger gesehen. Kennen Sie das Manuskript aus Die Mächte des Wahnsinns? John Carpenter weiß wie’s geht. Nix pillepalle Schiebedings, ar*gruseliges Schreibedings. So macht man das!

 

Ach ja, das Kanonenfutter … ich könnte mir die Mühe machen, die Namen der zu erwartenden Opfer herauszusuchen. Aber wozu sich mit Unnötigem belasten?

Im Haus (das erstaunlich spartanisch eingerichtet aber mit Kunst jeder Art gespickt ist) wird also eine Seance abgehalten und – wer hätte es kommen sehen? – die Blanchette bewegt sich wie von Geisterhand über das Brett. Natürlich will es keiner gewesen sein. Es wird ein bisschen hin und her diskutiert, wer denn nun seine Finger (im wahren Sinne des Wortes) im Spiel hatte, aber am Ende steht fest: Debbie hat aus dem Jenseits gesprochen. Also metaphorisch. Eigentlich hat sie ja geschrieben.

Wir sind übrigens in Minute dreißig oder so.

 

Bis hierher gab’s den ein oder anderen shocking moment; zumindest das, was sich die Filmemacher da so drunter vorstellen. Einen Tusch hier, einen Tusch dort. Erschrecker, die sich als lahme Rohrkrepierer entpuppen, zumal es die Freunde sind, welche die Protagonistin versehentlich aus der Haut fahren lassen. Na gut, da die Protagonistin vom schlechten Gewissen geplagt wird, ist es ohnehin ein Leichtes, sie ins Bockshorn zu jagen. Man möge mich jetzt nicht als kaltherzig abstempeln, aber mal ehrlich: überzeugendes Schauspiel geht anders. Ich erwarte ja keine oskarreife Leistung, wirklich nicht, aber wie soll ich mich in die arme gequälte Seele hineinversetzen, wenn ich mit Augenverdrehen ob der grenzdebilen Dialoge beschäftigt bin?

Apropos Dialoge: ich hab mich ja bereits als alt geout … äh …offenbart, von dem her mag es wenig überraschend sein, dass mir übermäßige Anglizismen gegen den Strich gehen. Die ersten Vorkommnisse werden von den Heranwachsenden als „strange“ bezeichnet. Hätte „seltsam“ nicht gereicht? Das kann ich zumindest der Regie nicht zum Vorwurf machen, da haben sich die Übersetzer an die Zielgruppe rangezeckt. Mhm … sagt man eigentlich noch ranzecken?


Sobald man endlich die Seance hinter sich gebracht hat, folgen lange Kamerafahrten durch das dunkle Haus. Wieso es so stockenfinster ist, habe ich allerdings vergessen. Ich tippe auf Stromausfall. Wäre ja nichts neues in dem Genre.

Und wo wir schon dabei sind: einer der Bengel sieht „etwas“ im Spiegel – und wird promptens dagegengeklatscht. Ich lieeeebe Spiegel im Horrorfilm. Sie gehören dazu wie das Salz in der Suppe. Man kann sie jedoch lieblos verwursten wie hier oder in The Unborn – oder man schafft mit ihrer Hilfe eine Atmosphäre, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Wer Mirrors noch nicht gesehen hat, sollte es dringendstlich nachholen.


Die Teens verlassen das Haus, fühlen sich Tags drauf jedoch verfolgt. Aus irgendeinem Grund fühle ich mich an Long Time Dead erinnert. Dieser eher weniger bekannte Film widmet sich mit Gläserrücken einer ähnlichen Thematik. Zugegebenermaßen vergleichbar ausgelutscht, aber dennoch um Längen spannender.

Das Verfolgtwerden bietet jedenfalls eine erneute Gelegenheit, begleitet von viel Tamtam, abermals (vermeintlich) mit Debbie zu chatten. Welch überraschende Wendung …


Das soll’s in Sachen Inhalt auch gewesen sein.


Was hingegen recht nett anzusehen ist, sind die CGI-Effekte. Man muss in Sachen Tricktechnik also nicht befürchten, in einem Machwerk von The Asylum gelandet zu sein. Vernähte Münder (das hab ich doch auch schon mal irgendwo gesehen?), schwebende Opfer (auch bekannt) langgezogene Kiefer (Grave Encounters) sind überzeugend eingearbeitet.


Damit kein falscher Eindruck entsteht: auch wenn ich mich hämisch und mit Wonne über Jaja auslasse – wir sind dennoch weeeeeit entfernt von der „Qualität“ eines The Hounting of Whealey House.



Jetzt folgen noch ein paar Informationen zur Besetzung.

In den (Haupt)rollen finden sich eher unbekannte Schauspieler.

Olivia Cooke mimt Laine Morris, Shelley Henning (meist auf Video) Debbie. Als Kanonenfutter dienen Daren Kagasoff, Douglas Smith und weitere. Dazu kommt noch eine alte Dame im AOK-Shopper, gespielt von Lin Shaye.

Lediglich die Mutter der Lichterkette, Robyn Lively, kam mir vertraut vor. Eine Recherche auf Wiki ließ mich jedoch ratlos zurück.


Die Synchronisation ist hervorragend gemacht. Die Stimmen sind gut gewählt und die Sprecher (z.B. Marie Christin Morgenstern) machen ihren Job routiniert.

Über die teils nervige Übersetzung hab’ ich mich schon ausgelassen …


 

Ach ja, Hasbro hat die Lizenz für das gruhuuuuselige Brett. Jedenfalls wird im stimmungsvollen Nachspann (er ist tatsächlich und ungelogen atmosphärischer als die vorangegangenen 80 Minuten, btw.) vollmundig verkündet, dass der Film auf dem – bei dem Spielzeughersteller erhältlichen – Ouija-Brett basiert. Ähm ja. Das erklärt auch, wieso die Protagonisten stets und ständig von einem Spiel brabbeln. Hab’ mich schon gefragt, wieso die dermaßen einen Stimmungskiller strapazieren.

Falls der Streifen also als Werbung gemeint war, würd’ ich mal glauben, dass da was gründlich in die Büx gegangen ist.



Noch mal die möglichen Inspirationen zusammengefasst und erweitert (Vorsicht! Hier wird hemmungslos gespoilert, daher muss der nächste Abschnitt angewählt werden, um ihn lesen zu können.)


* Eine Gruppe Heranwachsender, die sich einer schauerlichen Bedrohung stellen muss: jeeeede Menge, aber mir fällt vor allem die Final Destination-Reihe ein.

* Verhexte Spiegel: The Unborn, Mirrors, Poltergeist III

* Aufgerissene Münder: Grave Encounters

* Vernähte Münder: Poltergeist II (auch wenn’s da ne Zahnspange ist)

* Eine Gruppe von Kiddies, die sich mittels Ritualen auf böse Mächte einlässt: Long Time Dead

* Hartnäckige Gebrauchsgegenstände: Die Mächte des Wahnsinns

* Puppen (auf dem Dachboden): The Conjouring

* Eine Mami, die ihre schützende Hand über ihren Nachwuchs hält: Mama

* Eine Wendung im Sinne von „ha, ich hab euch verar***t“: The Ring

* Verbrennen des Bösewichts: A Nightmare on Elm Street


 

Fazit

Jaja ist langweilig, nervtötend und höchstwahrscheinlich dreiste Reklame – bietet aber die Gelegenheit sich an Meister des Genres zu erinnern und sie wieder aus dem Regal zu kramen.


 

24.02.2015


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