Ein Fall von Pink

A Study in Pink, 2010

Eine Studie in Scharlachrot

A Study in Scarlet, 1887

 

Es herrscht erhöhter Spoileralarm!

 

Anmerkung zu der mir vorliegenden Ausgabe aus dem Karl Müller Verlag: Es ist nicht vermerkt (und auch nicht recherchierbar), wer sich für die Übersetzung verantwortlich zeigt. Die Schreibweise des „daß“ mit Eszett deutet jedoch darauf hin, dass die Übertragung ins Deutsche noch zu Zeiten vor der Rechtschreibreform stattgefunden haben muss. Zudem sind mir Zeichensetzungsfehler (vor allem beim Gebrauch der wörtlichen Rede) aufgefallen. Sämtliche Ungenauigkeiten werde ich jedoch so, wie sie abgedruckt sind, in meinen Zitaten verwenden. Ich sehe davon ab, jedes Mal extra darauf hinzuweisen, wenn sich im Buch ein Fehler eingeschlichen hat.

 

 

Plot: Eine Studie in Scharlachrot

 

Der Assistenzarzt Dr. Watson kommt soeben aus einem Einsatz in Afghanistan zurück und erholt sich sowohl von einer Verwundung, als auch von einer Typhusinfektion. Halbwegs mittellos richtet er sich in einer Pension in The Strand ein. Er trifft in einem Café in London seinen alten Arbeitskollegen Stamford, der ihm von jemandem erzählt, der einen Mitbewohner sucht. Watson ist von der Idee angetan und so treffen sich die beiden mit Sherlock Holmes, welcher in einem Laboratorium des hiesigen Krankenhauses an einem Nachweis für Hämoglobin forscht. Holmes ist mit einem Zusammenzug einverstanden, stellt jedoch klar, dass er gewisse Eigenarten pflegt.

Sie beziehen die Bakerstreet 221B. Während der ersten Tage versucht Watson herauszufinden, mit welcher Tätigkeit Holmes seine Finanzen deckt. Das geht soweit, dass er eine Liste schreibt, auf er er die Fähigkeiten seines Mitbewohners aufführt. Im Laufe der Zeit stellt Watson fest, dass Holmes viele Bekannte hat, welche ihn in kurzen Abständen besuchen – Holmes erklärt, dass es sich in Wahrheit um Klienten handelt. Welcher Art diese sind, wird jedoch noch nicht näher ausgeführt.

Am Morgen des vierten März echauffiert sich Watson über einen Artikel, in dem der Vorgang der Deduktion beschrieben wird. Er hält die Ausführungen für übertrieben. Holmes eröffnet dem Arzt, dass er selbst der Autor der Abhandlung ist. Während des Gespräches kommt ein Bote und übergibt einen Brief – Holmes nutzt die Gelegenheit, Watson von seinen Fähigkeiten zu überzeugen, indem er den Beruf des Überbringers (Soldat) schlussfolgert.

Der Brief stammt von Tobias Gregson, einem Polizisten von Scotland Yard, der Holmes darum bittet, ihm bei einem Fall zu helfen. In einer leerstehenden Wohnung in der Nähe der Brixton Road wurde die Leiche eines gut gekleideten Gentleman aufgefunden. Der Detektiv nimmt Watson mit zum Fundort. Er untersucht die Straße vor dem Haus aufs genaueste, ehe er die Wohnung betritt. Sowohl Gregson als auch Lestrade sind bereits vor Ort und klären Holmes darüber auf, was sie bisher entdeckt haben (nicht viel). Nach einem umfassenden Blick auf die unverletzte, aber im Todeskrampf verkrümmte* Leiche von Enoch J. Drebber entscheidet Holmes, dass er vergiftet wurde. Als sie weggeschafft wird, fällt ein Ehering herunter. Darüber hinaus ziert das Wort „Rache“ eine Wand in einer dunklen Ecke der leerstehenden Wohnung.

Holmes spricht mit dem Wachtmeister John Rance, der die Leiche gefunden hat. Ihm sei vor allem ein Trinker aufgefallen, der sich in der Nähe des Tatortes aufgehalten habe, er habe sich aber nichts dabei gedacht.

Holmes, der davon überzeugt ist, dass Rance den Mörder gesehen hat und dass dieser den Ring verloren hat, gibt eine Zeitungsannonce auf, in der er sich als Finder präsentiert. Statt des erwarteten Täters erscheint jedoch eine alte Frau, die sich als die Mutter der Besitzerin des Ringes ausgibt. Holmes händigt ihr ein Duplikat des Schmuckstücks aus und verfolgt sie, sobald sie die Wohnung verlässt. Allerdings verliert er die Spur – seiner Meinung nach musste es sich bei der Komplizin in Wahrheit um einen Mann handeln.
Bald darauf wird die Leiche von Drebbers Sekretär Joseph Strangerson in seiner Pension aufgefunden. Erneut ist das Wort „Rache“ am Fundort geschrieben, dieses Mal jedoch ist die Todesursache ein Stich in die linke Brust. Auf der Fensterbank findet sich eine Schachtel mit Pillen. Diese probiert Holmes an einem alten Hund aus. Während das Tier die erste Tablette ohne Probleme fressen kann, wird es von der zweiten getötet.

Mithilfe von Wiggins, einem Straßenjungen, hat Holmes unterdessen eine Kutsche kommen lassen. Er lässt dem Fahrer ausrichten, dass er Unterstützung dabei bräuchte, Kisten herunterzutragen. Kaum ist der Droschkenkutscher in der Wohnung angekommen, hält Holmes ihn fest und stellt ihn als Jefferson Hope vor – den Mörder von Drebber und Strangerson.

Es folgen die Kapitel acht bis zwölf, in denen eine ausgedehnte Rückblende beschrieben wird. Ich sehe an dieser Stelle davon ab, eine Zusammenfassung zu geben.

Hope ist bereit, ein umfassendes Geständnis abzulegen, stellt aber klar, dass er nicht ins Gefängnis wandern wird, denn er ist tödlich erkrankt. Der Mord an Drebber war die Vergeltung dafür, dass er vor zwanzig Jahren in den USA einer jungen Frau die Ehe aufgezwungen und sie (und ihren Vater) somit ins Grab gebracht hatte. Dem Mädchen gehörte der Ring, welchen Hope bei der ersten Leiche verloren hatte. Um die Verfolgung der beiden Männer über zwei Kontinente hinweg zu finanzieren, hatte Hope Gelegenheitsarbeiten angenommen; in York war er Hauswart in einem Laboratorium gewesen, London Droschkenkutscher. Als er endlich Drebber habhaft werden konnte, zwang er ihn dazu, eine der Pillen aus der Schachtel zu nehmen; er selbst griff ebenfalls nach einer. Einige waren vergiftet, andere nicht. Hope wollte auf diese Weise Gott wählen lassen, wer von ihnen beiden sterben sollte.

Mit Strangerson wollte er ähnlich verfahren, dieser wehrte sich jedoch, so dass es zu einem Handgemenge mit tödlichem Ausgang kam.

Noch ehe es zu einem Prozess kommen kann, verstirbt Hope an einem Aortenaneurysma.

Dr. Watson kündigt an, die gemeinsamen Erlebnisse, welche er in seinem Tagebuch festhält, baldmöglichst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

 

* Anmerkung meinerseits: üblicherweise entspannen sich die Muskeln bei Eintritt des Todes, daher bin ich von der Beschreibung durch Doyle sehr verwundert. Falls sich ein Mediziner auf diese Seite verirren sollte, wäre ich für eine Aufklärung dankbar.

 

 

 

 

Plot: Ein Fall von Pink

 

Der kriegstraumatisierte Armeearzt Dr. John Watson kommt nach London und sucht eine Bleibe, die seine finanziellen Möglichkeiten nicht übersteigt. Er trifft in einem Park zufällig auf seinen alten Freund Stamford, der ihm einen WG-Partner vorschlägt. Dieser stellt sich als der freiberuflich beratende Detektiv Sherlock Holmes heraus, welcher bereits in der ersten Begegnung seine geistigen Muskeln spielen lässt und seine Fähigkeit zur Deduktion vorführt. Er klärt John kurzerhand darüber auf, dass seine ausgeprägtes Humpeln lediglich auf eine psychosomatische Störung zurückzuführen sei. Darüber hinaus verblüfft er ihn damit, dass er schlußfolgert, wo der Arzt stationiert war und dass er einen alkoholkranken Bruder habe, mit dem er nicht sonderlich gut zurechtkäme (Harry stellt sich jedoch als Schwester heraus).

Die Wohnung in der Bakerstreet 221B gehört Mrs. Hudson, deren Mann vor ein paar Jahren eines Verbrechens überführt wurde – wen wunderts, dass hierbei Sherlock seine Hände im Spiel hatte.

Währenddessen finden in London eigenartige Suizide statt. Sherlock wird von Lestrade, Polizist bei Scotland Yard, zu einem Fundort gerufen. Dieser bittet ihn darum, sich eine weibliche Leiche in einem leerstehenden Haus genauer anzusehen. John, der ebenfalls anwesend ist, unterstützt Sherlock dabei. Es stellt sich heraus, dass es sich bei der auffällig in pink (daher der Name der Folge) gekleideten Toten um eine Ehebrecherin handelt, die nur für ein paar Tage in London bleiben wollte. Sherlock vermutet einen Giftmord. Der Koffer sowie das Handy der Frau sind verschwunden.

Während sich Sherlock auf die Suche nach dem Gepäck begibt, wird John von einem Unbekannten zu einem Treffen in einer Lagerhalle gelotst. Der Fremde stellt sich – ohne seinen Namen zu nennen – als Sherlocks Erzfeind vor und bietet John Geld dafür an, den Detektiv zu überwachen. John lehnt ab. Der Unbekannte lässt John gehen, aber nicht ohne ihn darauf aufmerksam zu machen, dass dem Arzt der Stress des Krieges fehlt und er sich deshalb – entgegen aller Warnungen – nicht von Sherlock fernhalten wird.
Sherlock bittet John per SMS darum, möglichst schnell in die Bakerstreet zurückzukehren. Dort eröffnet er ihm, dass er sein Handy benötige, um einen Text an den Mörder (also auf das verschwundene Handy der Toten) zu versenden.

Beide gehen in ein Restaurant, um von dort aus den Fundort zu observieren, da sie damit rechnen, dass der Täter durch die Textnachricht aufgeschreckt wurde. Ein Taxi hält in der Nähe an, fährt jedoch davon, ehe John und Sherlock es erreichen können. Eine Verfolgungsjagd quer durch die Stadt folgt. Der Fahrgast stellt sich als Tourist heraus, der soeben aus den Vereingten Staaten angekommen ist. Zurück in der Bakerstreet eröffnet Sherlock John, dass er ab jetzt keinen Gehstock mehr benötigen würde – in der Tat rannte John durch die Londoner Straßen ohne zu bemerken, dass er für gewöhnlich humpelt.

Inzwischen wird die Wohnung der beiden durch Lestrade und ein „paar Freiwilligen“ (darunter auch Anderson) nach Drogen durchsucht. Nach einem Streit darüber, ob Sherlock der Mörder ist (der belastende Koffer steht schließlich im Wohnzimmer), geht dem beratenden Detektiv auf, dass "Rachel" als Passwort für das Handy der Toten dient. Mit seiner Hilfe kann er über eine GPS-Website das Mobiltelefon orten. Seltsamerweise befindet es sich in der Bakerstreet – in der Tasche eines soeben angekommenen Taxifahrers. Dieser fordert Sherlock dazu auf, ihm zu folgen.

In einem verlassenen Gebäude erklärt der Taxifahrer, dass er die Morde begangen hat, um Geld von einem Sponsor zu erhalten, welches seinen Kindern zugute kommen soll. Der Fahrer hat jedem seiner Opfer eine Art von Schach angeboten: sie hatten die Wahl zwischen zwei Pillen. Eine war vergiftet, die andere nicht. Die Opfer konnten – ohne zu wissen, welche Pille die gefährliche ist – wählen, welche sie schlucken würden. Die übriggebliebene nahm der Taxifahrer ein.

Er bietet Sherlock jetzt das selbe Spiel an. Jedoch bedroht er ihn nicht mit einer Waffe (wie er es bei den anderen getan hat), sondern provoziert seine Intelligenz. Sherlock geht darauf ein.

Watson ist den beiden gefolgt. Ehe Sherlock die Pille schlucken kann, schießt er auf den Taxifahrer.

Sherlock nutzt die Gelegenheit, den sterbenden Mann dazu zu zwingen, ihm den Namen seines Sponsors zu nennen.

Am Ende stellt sich heraus, dass der Erzfeind, welcher mit John gesprochen hatte (geben wir es doch alle zu: wir hatten erst Moriarty im Sinn), sein – in der Regierung („Manche sagen, er ist die Regierung“) tätige – Bruder Mycroft ist.

 

 

 

Ein Fall von Pink: Nette Sidekicks sowie Verbindungen zur anderen Folgen

 

Eine mögliche homosexuelle Verbindung der beiden Hauptakteure wird hier zum ersten Mal angedeutet. So möchte Mrs. Hudson wissen, ob ein zweites Schlafzimmer notwendig sei. Während Sherlock und Watson in einem Restaurant observieren, fragt der Arzt nach den persönlichen Umständen des Detektivs. Dieser interpretiert die Nachfragen als einen verunglückten Flirtversuch.

Diese Beziehung entwickelt sich zum Running Gag.

 

Der Rauschmittelmissbrauch Holmes' wird aufgegriffen. Kurzerhand organisiert Lestrade eine Razzia in der Bakerstreet, auf die Watson zunächst verwundert reagiert, bis er sich einen warnenden Blick von Sherlock einfängt.

 

Sherlock ist sich seiner Andersartigkeit durchaus bewusst, bezeichnet er sich gegenüber Anderson doch selbst als „hochfunktionaler Soziopath“.

 

Sowohl der Spurensicherer Philip Anderson als auch die Sergeant Sally Donovan (beide haben eine Affäre miteinander) werden als scharfe Kritiker Sherlocks aufgebaut.

 

Donovan warnt John davor, seine Zeit mit Sherlock zu verbringen, denn dieser wird – ihrer Meinung nach – irgendwann derart gelangweilt sein, dass er selbst Verbrechen inszeniert.

 

Der berühmteste Antagonist der Literaturgeschichte – Moriarty – wird eingeführt. Der mordende Taxifahrer gibt am Ende zu, dass er von ihm gesponsert wurde. Interessant daran ist, dass die ursprüngliche Pilotfolge (welche auf den DVDs enthalten ist; leider nur englischsprachig) den Taxifahrer als autark arbeitenden Killer darstellt – so, wie es auch in der „Studie in Scharlachrot“ vorgesehen war.

 

 

Gemeinsamkeiten zwischen Eine Studie in Scharlachrot und Ein Fall von Pink

 

Dr. Watson war (Assistenz)arzt bei den Füsilieren des fünften Regiments von Northumberland, welche in Afghanistan stationiert waren. (Es lebe der Krieg gegen den Terror – ermöglicht er es doch, dass sich Steven Moffat an das Original halten konnte [/ironieoff]).

 

Stamford (ein Freund Watsons) macht den Arzt mit Sherlock Holmes bekannt.

 

Sherlock Holmes arbeitet während des ersten Zusammentreffens in der Chemieabteilung / im Labor des hiesigen Hospitals.

 

Sherlock schlägt mit einer Gerte auf eine Leiche ein. Holmes tat das selbe mit einem Stock.

Zitat Stamford: „Wenn es soweit geht, die Leichen in den Sezierräumen mit einem Stock zu schlagen, […] um festzustellen, wie weit Blutergüsse nach den Tod auftreten können.

 

Sowohl Holmes als auch Sherlock sagen Dr. Watson bzw. John auf den Kopf zu, dass er in Afghanistan stationiert war.

 

Sowohl Holmes als auch Sherlock weisen beim ersten Gespräch mit Watson/John darauf hin, wie sie sich üblicherweise verhalten (Geigenspiel, geistige Abwesenheit, tagelanges Schweigen).

 

Sherlock trägt einen gepflegten Anzug, die Wohnung in der Bakerstreet hingegen ist unordentlich. Außerdem spießt er seine Post mit einem Messer auf.

Hinweise darauf finden sich in der Kurzgeschichte Der Katechismus der Familie Musgrave.

Zitat: "Unter den mancherlei Widersprüchen im Charatker meines Freundes Sherlock Holmes war mit einer immer besonders auffällig. Es gab wohl in geistiger Beziehung keinen methodischeren Menschen auf Erden als ihn, und auch was den Anzug betraf, trug er stets eine gewisse Genauigkeit und Sorgfalt zur Schau. Trotzdem war er aber im täglichen Leben so unordentlich, daß es seinen Stubengefährten zur Verzweiflung treiben konnte. [...] Immerhin beobachte ich gewisse Grenzen, wenn ich mit jemand zusammenwohne, der seine Zigarren im Kohlekasten und den Tabak in einem persischen Pantoffel aufbewahrt und der seine unbeantworteten Briefe mit dem Jagdmesser einfach an den hölzerenen Kaminsims aufspießt."

 

Holmes und Sherlock haben keine Ahnung vom heliozentrischen Weltbild. Dies wird in der Serie jedoch erst in Staffel 1 Folge 3 erwähnt.

John: „Das lernt man in der Grundschule. Wie kann man solche Dinge nicht wissen?!“ Sherlock: „Wenn ich es je gewusst habe, dann hab ich es gelöscht.“

 

Holmes und Sherlock schreiben Abhandlungen über die Beschaffenheit von Zigarettenasche (dies wird zwar in „eine Studie in Scharlachrot“ erwähnt, in der Serie wird es jedoch erst in einer späteren Folge thematisiert).

 

Die Zeitungsannonce an den Droschkenkutscher erscheint unter Watsons Namen; die SMS an den Taxifahrer geht von Johns Handy aus. Einmal mit der Begründung, dass der Name Holmes zu bekannt sei, einmal aus Sorge davor, dass Sherlocks Handynummer gegoogelt werden könnte.

 

Holmes nimmt die Hilfe verarmter Straßenjungs in Anspruch. Sherlock tut ähnliches mit seinem „Obdachlosennetzwerk“ (Staffel 1, Folge 3)

 

Watson veröffentlicht die Erlebnisse mit Holmes in einer Zeitschrift – John nutzt für den gleichen Zweck einen Blog.

 

 

Unterschiede zwischen Eine Studie in Scharlachrot und Ein Fall von Pink

 

Das Aussehen und das Verhalten der Protagonisten weicht in der Serie von der Beschreibung in Doyles Werk ab. Im Buch wird Holmes wie folgt eingeführt: „In diesem Raum befand sich nur ein Student, der sich über einen der weiter hinten befindlichen Tische in seine Arbeit vertieft gebeugt hatte. Als er unsere Schritte vernahm, sah er sich um und sprang mit einem Freudenschrei auf. […] dass [seine Hand] über und über mit ähnlichen Pflastern gesprenkelt und durch starke Säuren verfärbt war. […] Er war auf seine Weise ruhig und hatte geregelte Gepflogenheiten. […] Er maß etwas über einen Meter achtzig, war überaus schlank und erschien dadurch noch größer. Seine Augen waren scharf und durchdringend, außer in Zeiten der Trägheit […]; und seine schmale Hakennase verlieh seinem Gesicht insgesamt den Ausdruck der Wachsamkeit und Entschiedenheit. Auch sein Kinn, eckig und hervorspringend, kennzeichnete ihn als einen Mann von Entschlusskraft. Seine Hände waren ständig mit Tinte beschmiert und von Chemikalien befleckt, und doch besaß er ein ausgesprochenes Fingerspitzengefühl."

Watson wird in Eine Studie in Scharlachrot nicht ausreichend beschrieben. In der Serie wird auf den vielzitierten Schnauzbart verzichtet (es kommt jedoch zu einem Running Gag in The Empty Hearse).

Fotos zum Vergleich.

 

Insgesamt scheint Sherlock weniger umgänglich zu sein, als es Holmes ist. Ich muss zugeben, dass ich sehr überrascht war, wie häufig Holmes in Doyles Werk lächelt oder gar lacht (vgl. oben). Die ursprüngliche Pilotfolge (auf der DVD der ersten Staffel als Bonusmaterial enthalten) zeichnet einen Sherlock, der Holmes diesbezüglich weitaus näher kommt.

 

Der Beruf Holmes bleibt eine Weile im Dunkeln, während es sich Sherlock nicht nehmen lässt bereits recht früh klarzustellen, womit er sein Geld verdient.

 

Johns Kriegsverletzung wird als psychosomatische Störung erklärt. Auf diese Weise konnte das Humpeln, welches durch Doyle erwähnt wurde, bereits in der ersten Folge herausgeschrieben werden.

 

Watson hält sich eine Bulldogge, John hat keine Haustiere.

 

Holmes vergleicht den menschlichen Geist mit einem Dachboden, der mit Wissen eingerichtet wird – Sherlock spricht von einer Festplatte (Staffel 1 Folge 3; „Hör'n Sie: das ist meine Festplatte und es ist vernünftig nur das darauf zu speichern, was nützlich ist. Wirklich nützlich.“). Eine weitere – sehr deutliche – Anspielung hierauf findet sich in Staffel 3 Episode 3. Hier handelt es sich allerdings wieder eher um eine Art Dachboden.

 

Die Forensikerin Molly Hooper kommt in den Büchern nicht vor.

 

Der Kollege von Lestrade, Tobias Gregson wurde gestrichen. Eventuell wurde er durch Philip Anderson (Spurensicherung) ersetzt, der jedoch einen gänzlich anderen Charakter aufweist, als Gregson. Im Buch steht Gregson in Konkurrenz zu Lestrade (Zitat Holmes: „Sie sind eifersüchtig aufeinander wie ein Paar berufsmäßiger Schönheiten“).

In der Serie arbeiten die beiden Polizisten mehr oder weniger harmonisch zusammen. Zudem ist Anderson – im Gegensatz zu Gregson – Sherlock gegenüber negativ eingestellt.

 

Mycroft Holmes, der Bruder von Sherlock, bleibt in "Eine Studie in Scharlachrot" unerwähnt.

Er ist in der Serie nicht als apathischer Übergewichtiger angelegt, sondern tritt sportlich in Erscheinung. Als Running Gag wird (auch in späteren Folgen) häufig darauf hingewiesen, dass Mycroft eine Diät halte.

Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass es sich Mark Gatiss (Idee, Drehbuch) nicht verkneifen konnte, selbst als Schauspieler tätig zu werden.

 

Die Geschichte mit Johns alkoholkrankem Geschwister. Im Buch ist es eine Uhr, welche Holmes auf die richtige Fährte bringt, in der Serie ist es ein Handy. Im Buch schlussfolgert Holmes, dass sich die finanziellen Umstände des Geschwisters häufig ändern, was er an den Pfandmarken im Uhrdeckel ablesen kann. In der Serie wird darauf nicht eingegangen, stattdessen wird eine Trennung thematisiert. Als kleinen Gag am Rande wird aus dem Bruder eine Schwester gemacht.

 

Mrs. Hudson übernimmt im Buch die Funktion einer Haushälterin, während sie in der Serie darauf besteht, lediglich Vermieterin zu sein.

 

Die untersuchte Leiche ist im Buch ein Mann namens Enoch J. Drebber. In der Serie handelt es sich jedoch um eine Frau (Jennifer Wilson). Beide werden in der Brixton Street, Lauriston Gardens gefunden und beide sind gut gekleidet.

 

Das Wort „Rache“ in der Nähe der Leiche wird im Buch von Lestrade als der Versuch interpretiert, dass der Täter ursprünglich den Namen „Rachel“ hatte schreiben wollen, dabei aber gestört wurde. Holmes hingegen hält es für das deutsche Wort „Rache“, das lediglich dazu dienen sollte, die Ermittlungen auf eine falsche Fährte zu führen. Der beratende Detektiv leitet von dem Ort, an dem das Wort geschrieben steht, ab, wie groß der Täter ist und dass zum Zeitpunkt des Mordes eine Kerze gebrannt haben muss. Am Ende stellt sich natürlich heraus, dass Holmes richtig lag.

In der Serie hingegen wird von Anderson darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Wort um die deutsche Bedeutung handeln muss. Sherlock schlägt ihm daraufhin die Tür vor der Nase zu. Er ist davon überzeugt, dass es sich um den Namen Rachel handelt. Rachel stellt sich später als das ungeborene Kind der Toten sowie als Passwort heraus.

 

Der Ring wird im Buch vom Täter verloren und bei der Leiche entdeckt. In der Serie wird ebenfalls ein Ring erwähnt. Dieser dient Sherlock dazu, zu erkennen, dass die Frau zum einen unglücklich verheiratet ist und zum anderen den Schmuck oftmals vom Finger zieht (wohl um ihren Geliebten ihre Ehe zu verheimlichen).

 

Die Aufsätze über Zigarettenasche sind in „eine Studie in Scharlachrot“ von Bedeutung, in der Serie wird lediglich der entsprechende Blog von Sherlock thematisiert.

 

Holmes gibt eine Zeitungsannonce auf, um den Mörder aus dem Versteck zu locken. Sherlock lässt Watson eine SMS schreiben.

 

Der Mörder ist im Buch ein Droschkenkutscher – in der Serie wurde daraus folgerichtig ein Taxifahrer. Beide haben eine Gefäßerweiterung. Während der Droschkenkutscher unter einem Aortenaneurysma leidet, ist die arterielle Aussackung beim Taxifahrer im Kopf lokalisiert. Beide rechnen damit, jederzeit zu versterben.

 

Im Buch werden zwei Morde mittels der vergifteten Pillen begangen. In der Serie sind es vier. Während der Droschkenkutscher sein Überleben auf göttliche Hilfe zurückführt, erklärt der Taxifahrer, dass es einzig seiner Menschenkenntnis zu verdanken sei, dass er entgegen aller Wahrscheinlichkeiten noch am Leben ist.

 

Auf eine Verfilmung der Zwischenkapitel acht bis zwölf wurde dankenswerterweise komplett verzichtet. Ehrlich gesagt, habe ich sie bei Lektüre des Buches nur rasch überflogen.

 

Der Napoleon des Verbrechens, Moriarty (welcher in Doyles Werk nur zwei Mal auftaucht), wird bereits im Fall von Pink eingeführt.

 

Der Titel des Buches wird von Holmes selbst erwähnt: „Ohne Sie wäre ich sicher ausgegangen, und ich hätte die beste Untersuchung verpasst, die ich je hatte: eine Studie in Scharlachrot? Warum sollten wir nicht ein wenig Künstlerjargon verwenden? Es gibt einen scharlachroten Faden des Mordes, der sich die den farblosen Strang des Lebens zieht, und es ist unsere Aufgabe ihn zu entflechten, abzusondern und jeden Zentimeter davon freizulegen.“
Der Titel der Folge 1, Staffel 1 wird in Staffel 1 Folge 3 von Watson genannt. In der deutschen Übersetzung geht dieser Querverweis jedoch teilweise verloren (vgl. den englischen und den deutschen Titel; da haben die Übersetzter schlichtweg geschlampt).

Sherlock: "Ich sehe, sie haben den Taxifahrerfall niedergeschrieben“ „Äh … ja.“ „Eine Studie in Pink. Nett.“ „Na ja. Eine Frau in pink, ein Koffer in pink, ein Handy in pink. Es gab einfach eine Menge pink.

 

(Fertiggestellt am: 26.04.2014; ergänzt am 03.05.2014)

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Kommentare: 1
  • #1

    Muzel (Sonntag, 27 April 2014 09:59)

    Sehr interessant. Besonders, da mir die Bücher nicht so geläufig sind. Alles in allem doch recht nah am Original, auch wenn manche Dinge komplett anders sind.