Die Triffids

Pflanzen des Schreckens [2 DVDs]

von Nick Copus (Regie), 2009, BBC

 

Klappentext / Produktbeschreibung (Quelle: Amazon)

In der Neuverfilmung einer der meistverkauften Kultromane erwachen die TRIFFIDS durch ein CGI-Spektakel der Extraklasse erneut zum Leben. Die riesigen Pflanzen mit hoher Intelligenz und einem unlöschbaren Hunger nach Fleisch werden gezüchtet, um ein wertvolles Öl zu produzieren und so den Energiebedarf der Menschheit zu decken. Als nach einem Sonnensturm der Großteil der Menschen durch das extrem helle Licht erblindet, nutzen die Triffids das Chaos, um sich zu befreien und Vergeltung zu üben. Nur wenige Menschen wurden von der Erblindung verschont. Können sie die tödlichsten Widersacher der Erdbevölkerung aufhalten?

 

 

Inhalt und Umsetzung

Man nehme:

* einen Helden mit traumatischem Hintergrund. Vorzugsweise Wissenschaflter. Promoviert natürlich.

* eine hübsche Heldin. Journalistin, falls möglich. Falls nicht, reicht auch Radiomoderatorin.

* einen egozentrischen, opportunistischen Fiesling.

* ein paar mehr oder weniger wichtige Nebencharaktere, damit es genug (Kanonen)futter gibt, mit dem man mitleiden kann.

* einen Sonnensturm, der den Großteil der Bevölkerung erblinden lässt (denn die waren alle so dumm, ohne Rauchglasscheiben in den Stern zu glotzen - haben 1999 bei der Sonnenfinsternis wohl nicht aufgepasst ... alle ^^)

* und ein paar fleischfressende, verdammt langsame, fiepende, gierige Pflanzen.

 

Klingt das krude für Sie?

War Ihr erster Gedanke: "Oh ha. Killertomaten."

Löste das ein Stöhnen bei Ihnen aus? Ungefähr nach dem Motto: "oh, na toll. Zombiemär neu aufgelegt"?

Hat das den unangenehmen Unterton von Klischee-Charakteren, die einer sterbenden Welt ausgeliefert sind?

Fühlen Sie sich auch an Stephen Kings "The Stand" erinnert?

Oder vielleicht an "28 Days later"?

 

Ich muss zugeben: ja, das ging mir genauso.

Und irgendwie spielt von allem etwas mit hinein.

Aber wissen Sie was?

Die Zutaten funktionieren. Und wie!

 

Ja, natürlich: der Held ist gepeinigt durch seine Vergangenheit (was er uns übrigens ab und zu aus dem Off oder durch Rückblenden mitteilt, damit wir es nicht vergessen). Natürlich treffen er und seine Heldin zufällig aufeinander und kleben danach (sofern sie denn können) wie die Kletten aneinander. Natürlich opportuniert sich der Fiesling an die Spitze der nicht mehr ganz so großen Regierung. Und natürlich hasst man ihn. Denn dafür ist er ja da.

 

Und die Pflanzen? Zumindest im ersten Teil haben uns die Macher den Gefallen getan, sie in den Hintergrund zu drängeln (dafür brechen sie sich im zweiten umso mehr ihre Bahn). Japp, wir wissen, dass sie da sind - aber sie sind mehr oder weniger der Aufhänger. Die latente Bedrohung, die zusätzlich zu der Katastrophe der Erblindung über die Menschheit hereinbricht. (Zufälle gibts ^^) Dennoch spielen sie nur eine untergeordnete Rolle. Ab und zu tauchen sie auf, fressen ein paar Protagonisten und werden dann abgeballert. Nur, damit wir uns stets bewusst sind, dass sie lauern.

 

Aber was wirklich im Vordergrund steht? Das zerbrechen der Zivilisation. Die Verzweiflung der Blinden (später politisch korrekt "Nicht-Sehende" genannt). Die Panik der Sehenden, die sich der Übermacht der Erblindeten gegenüber sehen (Achtung, Wortspiel), die sich an sie klammern. Auf ihre Hilfe angewiesen sind, um in dieser beängstigenden Situation nicht zu verdursten, zu verhungern, zu erfrieren. Und diese Verzweiflung wird transportiert. Es ist erschreckend zu verfolgen, dass ein blinder Polizist bereit dazu ist, die sehende Protagonistin mit seine Dienstwaffe zu bedrohen - damit sie ihm als Führerin in der Dunkelheit dient.

 

Es ist bedrückend, dass sich die sehende Bevölkerung aufteilt: in die, die den Blinden helfen - und in die, die aus (purem) Überlebenswillen heraus die Erblindeten ausschließen wollen. Oder um es deutlicher zu sagen: bereit sind, die Hilflosen verrecken zu lassen. Wissen Sie, wobei ich mich erwischt habe, als ein sehender Führer seine blinden Freunde gegen die sehenden Egozentriker verteidigte? Als er fragte: "willst du sie sterben lassen?" Ich habe geflüstert: "ja."

 

Denn eines muss man diesem Horror-Thriller-SciFi-Streifen lassen: er reißt sein Publikum mit. Und obwohl fleissig Klischees bedient werden, und die Charaktere nicht sooo genau gezeichnet werden, wie ich es mir gewünscht hätte (es ist halt auch ein Actionfilm - da hält man sich mit solchen Details kaum auf), reicht es dennoch satt aus, um mit den Rollen mitzufiebern.

 

Genug des Inhaltes.

Entstanden ist der Film 2009 in Großbritannien. Die Jungs auf der Insel fallen mir in letzter Zeit häufig positiv auf. Zuletzt habe ich mir die, ebenfalls von der BBC produzierte, Serie "Sherlock" zugelegt (oh, da wäre es auch an der Zeit für einige Rezensionen ...). Regie bei "Triffids" führte Nick Copus. Die Hauptrollen wurden von den in Deutschland eher weniger bekannten Schauspielern Dougray Scott, Joely Richardson, Eddie Izzard und Brian Cox übernommen. Unterstützt wurde das Ensemble von der legendären Vanessa Redgrave (z.B. Protest, für den sie eine Oscarnominierung erhielt) sowie des immerhin als Seriendarsteller bekannten Jason Priestley (Beverly Hills, 90210). Da ich ein stimmenfixierter Mensch bin, möchte ich die gewohnt professionelle Arbeit von Benjamin Völz erwähnen, der den Hauptdarsteller vertont hat. Nachdem die X-Akten seit einigen Jahren auf Eis liegen, kann ich mir seine markante Stimme inzwischen wieder anhören, ohne direkt an UFOs denken zu müssen.

 

Die Special Effects können sich sehen lassen. Die Umsetzung der Killerpflanzen ist recht glaubhaft. Selbst wenn sie mit ihren Gummitentakeln auf ihre Opfer losgehen. Selbst wenn sie pfeiffend und wimmernd über die Straßen wanken. Sie wirken zwar nicht immer hundertprozentig echt - aber zumindest auch nicht albern. Schon mal keine schlechte Leistung für eine Zweiteilige TV-Produktion. Da habe ich schon weit aus Schlechteres in sogenannten Blockbustern im Kino gesehen.

 

Ist der Zweiteiler spannend?

Ja, unbedingt!

Auch wenn man am Anfang großzügig darüber hinwegsehen (schon wieder ein Wortspiel) muss, dass gleich zwei Ereignisse zufällig zur selben Zeit die Welt bedrohen: Der Sonnensturm und das Entkommen der possierlichen, carnivoren Balkonpflänzchen. Naja. Streng genommen sind es drei Zufälle, oh, nein, vier. Kommt ja noch dazu, dass der Hauptcharakter zufällig seine Augen verbunden hatte, als der Sonnensturm losging und - nicht zu vergessen - die Grenzdibilität der knapp 90 % der Bevölkerung, die sich ihre Guckerchen verbrutzelt haben, weil sie ja unbedingt in die Sonne starren mussten.

Das Ende ... joah. Die Lösung des Problemes "Triffids" hat wieder etwas alt bekanntes:

(Achtung! SPOILER!)

Star Trek, ID4 und andere haben es bereits vorgemacht ... mehr verrate ich nicht ^^

(SPOILER ENDE)

Da hätte man sich also ruhig etwas anderes einfallen lassen können - auch wenn ich glaube, dass das gar nicht so einfach ist. Und wie heißt es doch so schön: "never change a running system". Und überhaupt? Wer sagt denn, dass es klappt? Und wer verspricht, dass es am Ende keine Variante einer deus ex machina geben wird? ... oder etwa doch nicht?

 

Ich bin in der Regel eine alte Pingelbacke, was Logiklöcher in Filmen (und Geschichten allgemein) angeht. So viele Zufälle am Anfang lassen mich eigentlich in eine negative Grundstimmung abgleiten, die mich dazu verleitet, auf jede Kleinigkeit zu achten, um sie mit Genuß zu zerpflücken.

 

Aber was soll ich sagen?

Entweder gabs keine Logiklöcher mehr - oder der Film hat mich so gebannt, dass mein Gehirn sie schlichtweg ausgefiltert hat, ehe sie in meinem Cortex landen konnten.

 

 

Fazit

Super Endzeit-Monster-Grusel-Thriller! Sehenswert trotz eigenartiger Gegner.

 

 


Update 10.10.2015

Inzwischen habe ich das Buch "Die Triffids (The Day of the Triffids)" von John Wyndham gelesen. Ich muss sagen, dass es recht lange gedauert hat, bis ich mich durchgeackert habe. Eventuell gehe ich in einem eigenen Artikel darauf ein, aber kurz gesagt, hat mich der Roman weit weniger begeisert, als die Verfilmung.


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Kommentare: 1
  • #1

    Juicer Reviews (Samstag, 04 Mai 2013 21:53)

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