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The Empty Hearse, 2013/2014

Im leeren Hause (Das leere Haus)

The Empty House, 1905

 

Es herrscht erhöhter Spoileralarm!

 

Anmerkung zu der mir vorliegenden Ausgabe aus dem Karl Müller Verlag: Es ist nicht vermerkt (und auch nicht recherchierbar), wer sich für die Übersetzung verantwortlich zeigt. Die Schreibweise des „daß“ mit Eszett deutet jedoch darauf hin, dass die Übertragung ins Deutsche noch zu Zeiten vor der Rechtschreibreform stattgefunden haben muss. Eigentümlich ist die Wahl des vertrauten „Du“ zwischen Holmes und Watson. Für gewöhnlich greifen die Übersetzer auf das distanziertere und respektvollere „Sie“ zurück. Außerdem wird der Napoleons des Verbrechens in diesem Buch Mariarty genannt (siehe Unterschiede). Zudem sind mir Zeichensetzungsfehler (vor allem beim Gebrauch der wörtlichen Rede) aufgefallen. Sämtliche Ungenauigkeiten werde ich jedoch so, wie sie abgedruckt sind, in meinen Zitaten verwenden. Ich sehe davon ab, jedes Mal extra darauf hinzuweisen, wenn sich im Buch ein Fehler eingeschlichen hat.

In dieser Ausgabe wird Das leere Haus als Im leeren Hause tituliert.

 

Anmerkungen zur Serie: mir sind bisher nur die englischen Fassungen der dritten Staffel bekannt, daher handelt es sich bei den entsprechenden Zitaten um Übersetzungen, die nur als ungefähre Angaben zu verstehen sind. Ich fiebere jedoch der Ausstrahlung, die hoffentlich im Juni 2014 (ARD) stattfindet, entgegen und werde mir natürlich die DVDs zulegen. Sollte ich dabei feststellen, dass sich die hier angegebenen Zitate zu sehr von der offiziellen Interpretation abweichen, werde ich sie selbstverständlich ersetzen. (Stand Mai 2014)

 

 

Plot: Im leeren Hause

 

Im Jahre 1904 sieht sich Dr. Watson von einem Versprechen entbunden, so dass er auf Ereignisse zu sprechen kommt, die bereits eine Dekade zuvor, am 30. März 1894, ihren Anfang nahmen.

Der Baron Ronald Adair wird unter ungewöhnlichen Umständen ermordet. Adair – der zweite Sohn des Grafen Maynooth, welcher als Gouverneur in Australien tätig war – lebte mit seiner Mutter und seiner Schwester Hilda in der Parkstraße 427 in London. Er war bis vor kurzem mit Edith Woodley verlobt, die Verbindung wurde jedoch in beiderseitigem Einvernehmen gelöst.

Am Tage seines Todes hatte er im Bagatelle Club Karten gespielt und – nach Aussage von Herrn Murray, des Barons Hardy sowie des Oberst Moran – hatte Adair lediglich einen geringen Geldbetrag bei einer Partie Whist verloren. Baron Adair kam gegen zehn Uhr abends nach Hause; wurde dabei von dem Dienstmädchen beobachtet. Als gegen elf Uhr zwanzig seine Mutter nach ihm sehen wollte, fand sie sein Zimmer verschlossen vor. Nachdem es aufgebrochen wurde, mussten die Anwesenden feststellen, dass Adair durch einen Kopfschuss getötet worden war. Neben seiner Leiche lagen ein nicht geringer Geldbetrag sowie eine Namensliste, auf der seine üblichen Mitspieler aufgeführt waren. Die Waffe hingegen fehlte. Die Tür war von innen abgeriegelt gewesen, und eine Flucht des Mörders aus dem Fenster (zwanzig Fuß hoch über einem unberührten Blumenbeet) schien unmöglich. Die Parkstraße wird als belebt beschrieben, dennoch hatte niemand einen Schuss gehört.

Watson begutachtet die Parkstraße und rempelt dabei versehentlich einen alten Buchhändler an. Nachdem er für seine Unachtsamkeit um Nachsicht gebeten hat (und dafür nur unverständliches Knurren erntet), geht er zurück in seine Praxis. Kurz darauf erhält er Besuch von eben diesem Buchhändler. Der behauptet, sich für seine Schroffheit entschuldigen zu wollen und bietet ihm als Wiedergutmachung einige seiner zum Verkauf stehenden Werke an. Watson betrachtet die Bücher und als er sich wieder herumdreht, erkennt er in dem Buchhändler Sherlock Holmes.

Holmes bittet Watson darum, ihn in dieser Nacht zu einem Abenteuer zu begleiten, ehe er ihn darüber aufklärt, was seiner Zeit an den Reichenbachfällen geschehen war (vlg. Unterschiede). Nach einer längeren Fahrt durch die Straßen Londons erreichen sie ein leeres Haus. Es liegt der Bakerstreet 221b gegenüber. Holmes hat in seiner Wohnung eine Wachsbüste drapiert, die ihm zum Verwechseln ähnlich ist, und die er durch Mrs. Hudson regelmäßig bewegen lässt. Während Watson und Holmes sich in dem leeren Haus auf die Lauer legen, hören sie jemanden das Gebäude betreten. Sich im Schatten versteckend, beobachten sie einen Mann dabei, wie er mit seiner Windbüchse auf die Büste in der Bakerstreet 221b schießt. Sie überwältigen ihn. Lestrade, der zuvor alarmiert wurde, kommt hinzu und verhaftet den Scharfschützen. Es handelt sich um Oberst Sebastian Moran, welcher damals den Fels an den Reichenbachfällen hat herabstürzen lassen.

Moran ist ebenfalls für den Mord an Adair verantwortlich; er habe – so Holmes – den Baron mittels der Windbüchse und einer Revolverkugel erschossen. Als Motiv nimmt der Detektiv an, dass der Oberst falsch gespielt habe und Adair ihm auf die Schliche gekommen ist. Gerade als Adair, mit Hilfe der neben ihm gefundenen Liste, versucht habe, die Gelder gegenzurechnen, die er aufgrund Morans Falschspiel gewonnen hatte, damit er sie den rechtmäßigen Besitzern zurückerstatten konnte, wurde er von der Kugel getroffen. Zuvor hatte er sich eingeschlossen, damit seine Verwandt- und Dienerschaft ihn nicht bei seinen Berechnungen erwischen konnte.

Dieser Mord war es auch, der Holmes aus seinem Exil zurückbrachte, denn er war sich im Klaren darüber, dass er – obwohl er wusste, dass Moran hinter ihm her war – nicht die Behörden hinzuziehen konnte. Es lag bislang schließlich noch keine Anschuldigung gegen den Oberst vor. Nur indem Holmes Moran eines anderen Verbrechens überführte (eine Tötung des Oberst verstieß gegen seine moralischen Vorstellungen) konnte er sich sicher sein, in Zukunft nicht mehr von ihm verfolgt zu werden.

 

 

Plot: The Empty Hearse

 

Die Folge beginnt mit einem Rückblick auf Der Reichenbachfall, der dahingehend abgeändert wird, dass ein Überleben Sherlocks (mehr oder weniger schlüssig) erklärt werden kann. Offenbar wird diese Version (es sind zwei Jahre seitdem vergangen) der Vorgänge (vgl. auch Unterschiede) von Anderson präferiert, der sie Lestrade vorschlägt. Lestrade ist alles andere als überzeugt davon, dass Sherlock noch am Leben sein könnte, zumal Molly Hooper (s)eine Leiche im Institut aufgebahrt hatte.

In der Zwischenzeit wurde offiziell bekannt, dass es Richard Brook nie gegeben hat und Jim Moriarty versucht hatte, Sherlock zu diskreditieren.

John – der jetzt einen Oberlippenbart trägt – trauert nach wie vor um seinen Freund.

In Serbien wird ein Mann durch einen Wald verfolgt und gefangen gesetzt. Es stellt sich heraus, dass es Sherlock ist. Er wird von seinem Bruder Mycroft befreit und nach London gebracht.

Es wurde ein Bombenanschlag angekündigt und Sherlock soll dabei behilflich sein, die entsprechende Terrorzelle zu finden und somit den Anschlag zu verhindern.

John besucht Mrs. Hudson, um ihr mitzuteilen, dass er demnächst Mary Morstan heiraten will. Offensichtich hatten er und seine ehemalige Vermieterin (welche Sherlocks Wohnung unangetastet gelassen hat) zwei Jahre lang keinen Kontakt miteinander.

In einer U-Bahnstation verschwindet ein Mann spurlos.

Sherlock nutzt die Gelegenheit, sich seinen Freunden und Bekannten zu erkennen zu geben: John reagiert zunächst alles andere als erfreut, als er den Detektiv wieder trifft. Er nimmt es ihm übel, dass er im Unklaren gelassen wurde. Lestrade hingegen ist freudig überrascht, umarmt Sherlock sogar, während Mrs. Hudson mit einem Kreischen reagiert.

Das Freundschaftsverhältnis zwischen Sherlock und John ist nachhaltig gestört. Der Arzt legt keinen gesteigerten Wert auf einen weiteren Kontakt. Daher sucht Sherlock für seinen fehlenden Assistenzen einen Ersatz – er findet ihn in Molly Hooper. In einen alten Haus untersuchen sie gemeinsam mit Lestrade ein Skelett, in dessen Nähe das angebliche Tagebuch von Jack the Ripper gefunden wird. Schnell ist klar, dass es sich um einen Fake handelt, jedoch nicht, wer dafür verantwortlich ist.

Sherlock und Molly suchen den Untergrundbahnangestellten Mr. Shilcott auf. Er behauptet, dass er auf der Aufnahme einer Sicherheitskamera bemerkt hat, wie ein Mann während einer U-Bahnfahrt zwischen zwei Stationen (Westminster und St. James Park) verschwindet. Der U-Bahnschaffner sei nach diesem Vorfall nicht mehr zur Arbeit erschienen.

Sherlock erkennt den Mann als Moran wieder, und bemerkt, dass auf dem Weg zwischen den Stationen ein Wagen abgekoppelt wurde. Mit Hilfe von Shilcott findet er heraus, dass es unter dem House of Parliament einen Bahnhof gibt, der nie in Betrieb genommen wurde.

Es ist der fünfte November, das Datum der Bonfire Night, einem (nicht offiziellen) Feiertag in Großbritanien. Was läge näher, als an diesem Tag eine Bombe – welche fraglos in dem Wagon versteckt ist – unter dem Parlamentsgebäude explodieren zu lassen? Sherlock und John brechen in den stillgelegten U-Bahnhof ein und entdecken den Sprengsatz. Sherlock muss jedoch einräumen, dass er ihn nicht entschärfen kann. John – den sicheren Tod vor Augen – verzeiht seinem Freund.

Es folgt eine Überblendung zu den Ereignissen auf dem Dach des Krankenhauses. Es stellt sich heraus, dass Sherlock Anderson erklärt, was damals passiert ist. Offen bleibt jedoch, in wie fern er die Wahrheit sagt. Anderson jedenfalls bezweifelt, dass ihm der Detektiv gegenüber ehrlich ist. Der eigentliche Besuch Sherlocks bei Anderson ist, dass er von ihm erfahren will, wieso der ehemalige Polizist die Sache mit dem Skelett fingiert hat.

Zurück im U-Bahnhof eröffnet Sherlock John, dass er zwar nicht weiß, wie die Bombe zu entschärfen ist, er jedoch den Ausschalter des Sprengsatzes gefunden habe.

Lord Moran wird verhaftet.

Während sich Sherlock wieder in das Mediengetümmel stürzt, sieht man in einer Art Dachboden einen Mann, der sich Videoaufnahmen von John und Sherlock ansieht.

 

 

The Empty Hearse: Nette Sidekicks sowie Verbindungen zur anderen Folgen

 

Johns neuer Obenlippenbart stößt auf wenig Nächstenliebe. Schon als Sherlock John auf einem Foto sieht, überlegt er, wie sie den Schnauzer wieder loswerden können. Als sich die beiden das erste Mal wiedersehen, spricht Sherlock John recht schnell auf den Bart an.

Sherlock (im Restauant): „Wollen Sie den da wirklich behalten?

Sherlock (im Imbiss): „Ernsthaft? Das ist kein Witz? Sie werden ihn behalten?

John: „Ja.“

Sherlock: „Sicher?

John: „Mary mag ihn.“

Sherlock: „Nein, tut sie nicht.

John rasiert ihn schließlich ab, wird währenddessen von Mary damit aufgezogen, er würde das nur machen, weil ihn Sherlock darum gebeten hat.

 

Die mögliche Homosexualität wird erneut aufgegriffen.

John: „Ich habe jemanden getroffen.

Mrs. Hudson: „So kurz nach Sherlock?

John: „Nun. Ja.

Mrs. Hudson: „Wie ist sein Name?

John: „Es ist eine Frau.

Mrs. Hudson: „Eine Frau?!

Sie lässt sich im Folgenden nicht so wirklich davon überzeugen, dass John heterosexuell ist (und immer war).

 

Sherlocks Mantel wird explizit erwähnt.

Sherlock: „Nun, wo ist er?

Mycroft: „Wer?

Sherlock: „Du weißt wer.

Daraufhin bringt Mycrofts Assistentin den Mantel.

 

Sherlocks Marotte, den Kragen aufzustellen, wird ebenfalls erneut thematisiert (vgl. dazu auch Die Hunde von Baskerville).

Als die Assistentin den Mantel bringt, klappt Sherlock sofort den Kragen hoch.

Während der Untersuchung des vermeintlichen Jack the Ripper hört Sherlock Johns Stimme, die sich fortwährend über ihn lustig macht.

„John“: „Sie haben vergessen, Ihren Kragen aufzustellen.

 

Mary Morstan wird in der Serie selbstbewusster gezeichnet, als ihr literarisches Vorbild. Während John sich darum bemüht, eine angemessene Rede zu formulieren, um um ihre Hand anzuhalten, unterbricht sie ihn.

John: „Dich zu treffen … ja, dich zu treffen, war das beste, das möglicherweise hätte passieren können.“

Mary: „Ich gebe dir recht.

John: „Hä?

Mary: „Ich gebe dir recht damit, dass ich das beste bin, das dir hätte passieren können.

Als die drei in einer Gaststätte sitzen, beteiligt sie sich an dem Gespräch zwischen Sherlock und John.

Sherlock: „In der Tat war es überwiegend Mycrofts Idee.

John: „Es war also der Plan Ihres Bruders?

Mary: „Oh, er hätte einen Vertrauten gebraucht.

 

John agiert nach wie vor weitaus emanzipierter als der originale Watson. So reagiert er seinen Frust darüber, dass er nicht ins Vertrauen gezogen wurde, damit ab, dass er Sherlock die ein oder andere verpasst, während sie sich kulinarisch immer weiter „nach unten“ arbeiten. Im Restaurant stürzt er sich auf ihn, in der Gaststätte ebenso (danach blutet Sherlocks Lippe), im Imbiss schließlich gibt er ihm eine Kopfnuss.

 

Anderson wird von seinem Gewissen geplagt, schließlich war er nicht ganz unbeteiligt daran, dass Sherlock in Ungnade gefallen ist. Er hat seinen Job aufgegeben und einen Sherlock-Holmes-Fanclub (The empty hearse – der leere Leichenwagen) gegründet, dessen Mitglieder herauszufinden versuchen, ob und wie Sherlock den Sprung vom Dach überlebt haben könnte.

 

Sherlocks Eltern werden eingeführt. John – der sie offenbar noch nie gesehen hat – hält sie für ordinär (im wertfreien Sinn).

 

Im U-Bahntunnel wird erneut von Sherlocks Mindpalace (in etwa: Geistespalast/Gedächtnispalast) gesprochen.

John: „Benutzen Sie ihren Geistespalast.

Sherlock: „Wie soll das helfen?

John: „Sie haben jeden Fakt darin verstaut, den es unter der Sonne gibt.“

Sherlock: „Und Sie glauben, da hab ich irgendwo „Wie entschärfe ich eine Bombe?“ drin verstaut?

John: „Ja!

Sherlock: „Mag sein.

 

Der Mann auf dem Dachboden spielt in Staffel 3, Episode 3 eine zentrale Rolle.

 

 

Gemeinsamkeiten zwischen Im leeren Hause und The Empty Hearse

 

In der Kurzgeschichte wird, ähnlich wie in Eine Studie in Scharlachrot Bezug zum Titel genommen.

Zitat Holmes: „Dieser Gesprächsstoff wird bis halb zehn genügen, und dann wirds Zeit, daß wir zu unserem vielversprechenden Abenteuer nach dem leeren Hause aufbrechen.

Der englische Titel der Episode, The Empty Hearse, ist eine deutliche Referenz auf die Kurzgeschichte The Empty House. Wie zuvor in Ein Fall von Pink und Der Reichenbachfall gibt es auch hier innerhalb der Folge einen Querverweis auf den Titel. Anderson – der ehemalige Spurensicherer – hat einen Fanclub mit dem entsprechenden Namen gegründet.

 

Holmes und Sherlock verkleiden sich, ehe sie sich Watson/John zu erkennen geben.

 

Holmes ist Raucher.

Zitat: „Er nahm mir gegenüber Platz und zündete sich mit der ihm eigenen Gemütsruhe eine Zigarette an.

Sherlock ist ebenfalls Raucher (in dieser Folge nicht thematisiert).

 

Holmes und Sherlock erklären ihr längeres Verschwinden damit, dass die Reste des Netzwerkes von Mariarty / Jim Moriarty zerschlagen werden mussten. Holmes bleibt zwischen Mai 1891 und April 1894, also knapp drei Jahre, verschwunden, bei Sherlock sind es lediglich zwei. Diese decken sich mit den Sendeterminen. Die Erstausstrahlung von The Reichenbach Fall war am 15. Januar 2012; The Empty Hearse wurde das erste Mal am 1. Januar 2014 gesendet.

 

Lord Moran, der Mann, der aus der fahrenden U-Bahn verschwindet, erinnert an eine Begebenheit aus Eine Studie in Scharlachrot. In dieser Geschichte verfolgt Holmes eine ältere Frau, die sich von ihm einen Ring hat geben lassen, verliert aber ihre Spur, während sie in einer Droschke fährt.

Zitat Holmes: „Sie blieb alsbald stehen und winkte eine Droschke herbei, die gerade vorbeifuhr. Ich hatte es geschafft ihr nahe zu sein, aber ich hätte mir gar nicht so viel Mühe geben müssen, denn sie hat so laut gerufen, dass man es auf der anderen Straßenseite hören konnte, „fahren Sie mich zu Nr. 13, Duncan Street, Houndsditch“, rief sie. Ich dachte, das fängt ja an echt auszusehen, und nachdem ich mir sicher war, dass sie im Wagen saß, bin ich hinten aufgesessen. Das ist die Kunst, die jeder Detektiv beherrschen sollte. Nun, wir ratterten davon, und er zog nicht einmal die Zügel an, bevor wir die fragliche Straße erreicht hatten. Ich sprang ab, bevor wir zum Haus kamen und schlenderte die Straße gemächlich hinunter. Dann sah ich wie der Wagen hielt. Der Kutscher sprang vom Bock, und ich sah wie er die Tür öffnete und dort erwartungsvoll stand. Doch niemand kam heraus. Als ich ihn erreichte, suchte er frenetisch in der leeren Kabine herum, begleitet von den feinsten Flüchen, die ich je gehört hatte.

 

Watson und John leben nicht mehr in der Bakerstreet 221b.

 

Das Auftauchen Sherlock Holmes versetzt Mrs. Hudson einen gehörigen Schrecken.

Zitat Holmes: „Ich fuhr also schleunigst nach London, begab mich nach der Bakerstraße, versetzte Frau Hudson in heftige Krämpfe und fand, daß Mycroft meine Zimmer und meine Sachen in genau der selben Ordnung gelassen hatte, wie ich sie verlassen.

In der modernen Variante bleiben ihr Krämpfe erspart, dafür beginnt sie zu Kreischen.

 

Holmes verfügt über einen guten Orientierungssinn.

Zitat: „Holmes hatte eine erstaunliche Ortskenntnis, und er führte mich mit größter Sicherheit und in eiligem Tempo durch ein wahres Labyrinth von Remisen, Ställen und Lagerräumen, von deren Existenz ich noch nicht einmal eine Ahnung hatte.

Während Sherlock und John das Taxi in Ein Fall von Pink verfolgen, scheint es, als habe der Detektiv den Stadtplan Londons (inklusive Verkehrszeichen und Ampeln) im Kopf.

 

Sowohl in Im leeren Hause als auch in The Empty Hearse ist ein Mann Namens Moran der Übeltäter.

 

Der Satz überhaupt, den Sherlock Holmes je gesagt hat, wird in The Empty Hearse zititert.

Sherlock: „[…] aber sobald man die anderen Faktoren eliminiert, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein.“

Der Satz taucht übrigens auch in der ursprünglichen Fassung der Pilotfolge (in Form einer E-Mail) auf.

 

 

Unterschiede zwischen Im leeren Hause und The Empty Hearse

 

Watson scheint ein eher bescheidener Mensch zu sein.

Zitat: „Wie man sich leicht denken kann, hatte ich infolge meiner intimen Freundschaft mit Sherlock Holmes an dem Verbrechen ein hervorragendes Interesse, und ich habe, weil er selbst nicht mehr da war, die verschiedenen Fragen, die sich daran knüpften, genau verfolgt und geprüft. Zu meiner Beruhigung habe ich sogar seine eigenen Methoden zur Aufklärung angewandt, freilich nur mit geringem Erfolge.

Einen ähnlich devoten Charakterzug würde ich John nicht unbedingt zusprechen wollen, viel mehr ist es Sherlock, der John mal mehr mal weniger deutlich in seine intellektuellen Schranken verweist.

 

Holmes verkleidet sich als Buchhändler; Sherlock mimt einen Kellner.

 

Holmes offenbart sich Watson in seiner Praxis; die beiden sind alleine.

Sherlock wählt hierfür ein Restaurant und stört währenddessen Johns Versuche, sich mit Mary zu verloben.

 

Mary Morstan kommt in Im leeren Hause nicht vor. Stattdessen wurde sie in Das Zeichen der Vier in das Werk Doyles (als eine Klientin) eingeführt.

Johns Mary hat in The Empty Hearse ihren ersten Auftritt. Über ihre Vergangenheit ist in dieser Folge noch wenig bekannt (das ändert sich jedoch in Staffel 3, Episode 3).

 

Watson ist außer sich vor Freude, seinen alten Freund lebend wieder zu sehen. Zudem ist er recht wissbegierig, was die Umstände von Holmes’ Überleben angeht.

Zitat: „Als ich mich wieder zurückwandte, stand am Schreibtisch mir gegenüber mit lächelnder Miene Sherlock Holmes. Ich sprang auf, sah ihm ein paar Sekunden verwundert ins Gesicht und bin dann allen Anschein nach zum ersten- und letztenmal in meinem Leben in Ohnmacht gefallen. […] Ich ergriff seine Hand. „Holmes!“ rief ich. „Bist du es wirklich? Ists möglich, daß du noch lebst? Ists möglich, daß du aus jenem fürchterlichen Abgrund herausgeklettert bist?

John hingegen ist da sehr viel bodenständiger. Es benötigt, im Gegensatz zu Watson, mehrere Anläufe bis er Sherlock erkennt. Dann geht er – nachdem er den ersten Schock überwunden hat – zunächst einmal auf den Detektiv los. Es entwickelt sich zu einem Running Gag, dass er Sherlock (ins Gesicht) schlägt. Die genauen Ereignisse, die in Der Reichenbachfall auf dem Krankenhausdach stattgefunden haben, interessieren ihn hingegen überhaupt nicht. Er regt sich stattdessen darüber auf, dass knapp 25 Mitglieder des Obdachlosennetzwerkes, Molly sowie Mycroft in die Vorgänge involviert waren, während er selbst im Dunkeln gelassen wurde.

 

Holmes hatte als einzigen Vertrauten seinen Bruder Mycroft an seiner Seite. Sherlock hat sowohl auf Mycrofts und Mollys Hilfe, als auch auf die Unterstützung von ungefähr zwei Dutzend Mitgliedern des Obdachlosennetzwerkes zurückgegriffen.

 

Watson ist nach seiner Hochzeit mit Mary Mortsan aus der Bakerstreet ausgezogen, also noch vor den Ereignissen in Der Reichenbachfall. John hingegen zog erst danach aus, also aufgrund des vermeintlichen Todes Sherlocks.

 

Hier, wie auch schon in Ein Fall von Pink angemerkt, scheint mir der ursprüngliche Holmes nicht ganz so ungeschickt im Umgang mit Menschen zu sein, wie seine moderne Interpretation.

Zitat Holmes: „Ich hatte nur einen Vertrauten – meinen Bruder Mycroft. Ich bitte dich vielmals um Verzeihung, lieber Watson, aber es war unbedingt notwendig, daß ich für tot gehalten wurde, und du würdest keine so überzeugende Schilderung meines unglücklichen Endes geschrieben haben, wenn du nicht selbst daran geglaubt hättest.

Sherlock hingegen zeigt nur wenig Empathie dafür, dass sich John hintergangen fühlen könnte. Die Begründung für sein Handeln ist jedoch eine ähnliche: er traute John nicht zu, dass er den Mund halten würde. Streng genommen dauert es die gesamte Folge, bis ihm John schließlich verzeiht.

 

Holmes und Watson gehen unmittelbar nach ihrem Wiedersehen erneut gemeinsam auf Verbrecherjagd.

Sherlock und Johns Beziehung hingegen bleibt zunächst angespannt. Das geht soweit, dass sich Sherlock – aus Ermangelung eines Assistenten – Molly Hooper dazu holt, um Fälle zu bearbeiten. Erst nach einiger Zeit raufen sie sich wieder zusammen; das ist nicht zuletzt Mary zu verdanken, die sich für Sherlock ausspricht.

 

Oberst Sebastian Moran ist ein Scharfschütze und zudem das letzte Überbleibsel aus Mariartys Netzwerk.

Lord Moran hingegen ist ein Bombenleger.

 

Holmes liefert detailierte Beschreibungen darüber, wie er der Begegnung mit Professor Moriarty entkommen konnte.

Zitat Holmes: „Also, was den Abgrund betrifft, war es nicht allzu schwer, herauszukommen, aus dem einfachen Grunde, weil ich gar nie darin war. […] Mein Schreiben an dich beruhte zwar vollständig auf Wahrheit. Ich zweifelte selbst nicht im geringsten daran, daß ich bald ausgelöscht sein würde, als ich in einiger Entfernung die verdächtige Gestalt des ehemaligen Professors Mariarty auftauchen sah. Ich las in seinen grauen Augen einen unabänderlichen Entschluß. Ich wechselte ein paar Worte mit ihm und erhielt die gütige Erlaubnis, dir jene kurze Notiz zukommen zu lassen, die du später gefunden hast. Ich legte sie samt Zigarettenasche und Spazierstock auf den schmalen Pfad und wanderte weiter, während mir Mariarty immer auf den Fersen folgte. Als ich am Ende des engen und steilen Weges angelangt war, blieb ich stehen und leistete ihm Widerstand. Da er keine Waffe bei sich hatte, stürzte er einfach auf mich los und umschlangen mich mit seinen langen Armen. [...] Wir gerieten zusammen an den Rand des Wasserfalls. […] Ich riß mich los und versetzte ihm einen Stoß, […] er verlor aber trotz aller Anstrengungen das Gleichgewicht und stürzte unter einem entsetzlichen Aufschrei hintenüber.“

Sherlock hingegen hüllt sich weitestgehend in Schweigen darüber, wie er die Konfrontation mit Jim Moriarty überlebt hat. Er hätte John wahrscheinlich die genauen Umstände geschildert, dieser will davon aber nichts wissen. Mark Gatiss (Drehbuch) bietet dem Zuschauer drei Möglichkeiten an: zu Beginn der Folge sieht man, wie sich Holmes mit einem Bungeeseil vom Dach stürzt, und – nachdem das Gummi gefedert hat – durch ein Fenster des Krankenhauses springt. Dort küsst er Molly Hooper. Etwa zur Mitte der Folge wird eine Möglichkeit aufgezeigt, in der statt Sherlock eine Puppe auf das Straßenpflaster aufsschlägt. Es wird zudem eine romantische Beziehung zu Jim Moriarty angedeutet (hier trauten sich die Macher der Serie nicht, konsequent zu sein). Gegen Ende wird eine Auflösung geboten, welche mit einer zweiten Leiche agiert. Meiner Meinung nach wäre die letzte Variante die wahrscheinlichste. Unglücklicherweise wird diese Anderson gegenüber erklärt – und es ist zu bezweifeln, dass Sherlock dem (ehemaligen) Spurensicherer die Wahrheit sagen würde. Sherlock spricht John gegenüber davon, dass es damals 13 Möglichkeiten gegeben hätte, dem Tod zu entrinnen – da wäre also noch Luft nach oben.

Meine persönliche Meinung dazu: Es bleibt unterm Strich also zu sagen, dass Gatiss eine geschickte Lösung gefunden hat, in dem er die tatsächlichen Ereignisse nicht allzu genau beleuchtet.

Böse Zungen könnten behaupten, Stephen Thomson (Drehbuch) hat sich mit der Ausweglosigkeit, die er in Der Reichenbachfall gezeichnet hatte, selbst ein Bein gestellt – und Gatiss stand jetzt unter Zugzwang. Selbst wenn man die Variante mit der Leiche ernsthaft in Betracht zieht, sind doch sehr viele Variablen im Spiel – es mutet abenteuerlich an, dass Sherlocks Plan aufgegangen sein soll. Nicht, dass ich missverstanden werde: ich halte den Doppelgänger für möglich, sogar für wahrscheinlich; viel schwerer dürften die logistischen Probleme, sowie die Unzahl an Beteiligten wiegen. Um Schopenhauer zu ziteren: „Was dein Feind nicht wissen soll, das sage deinem Freunde nicht.

 

(fertiggestellt am 03.05.2014)

 

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